Judith Rosmair (c) Karin Rocholl

Königinnen

Kunstfest Weimar (Uraufführungsproduktion)
Königinnen (Arbeitstitel)
Schauspiel von Theresia Walser

Mit Judith Rosmair
Ausgezeichnet mit dem 2. INTHEGA-Preis 2022
für ihre Darstellung in Fräulein Julie
u. a.
3 Mitwirkende 

Tourneezeitraum wird in Kürze bekannt gegeben


INHALT

Irm und Alma standen ihr halbes Leben auf der Bühne. Vor Jahren wurden sie noch an einem der renommiertesten Theater als Schillers Maria und Elisabeth gefeiert; die Inszenierung lief über fünfhundert Mal. Doch längst haben sich ihre Wege getrennt. Irm ist eine berühmte Fernsehkommissarin geworden, Alma hangelt sich mit gelegentlichen Engagements durchs Leben. Beide gehen auf die 55 zu, die angebotenen Frauenrollen werden immer weniger. Ein Tourneeunternehmen will die beiden schließlich nochmals für 100 Vorstellungen zwischen Berlin und Wien reanimieren, mit ihrem alten Schiller-Stück. Geplant ist eine Version für drei Figuren; ein junger Schauspieler soll alle anderen Rollen übernehmen.

Als die beiden sich erstmals wieder begegnen, reißt das Treffen alte Wunden auf. Vor über 20 Jahren kam es in einer Produktion zum Eklat zwischen ihnen, das Stück kam nie heraus. Irm hat mit wehenden Fahnen das Theater verlassen, Alma nach diesem Vorfall ihre Stimme verloren. Über Jahre musste sie mühsam wieder Sprechen lernen. Jetzt lockt beide die Aussicht, bald wieder auf der Bühne zu stehen. Gleichzeitig ist zu viel passiert zwischen ihnen, um einfach wieder loszulegen. Anders als Alma wäre Irm nicht finanziell darauf angewiesen, ist sich aber nach ihrer Krebsoperation, bei der beide Brüste amputiert wurden, ihrer weiteren Fernseh-Karriere nicht mehr sicher. Beide stehen voreinander, vom Leben beschädigt. Auch auf der Bühne können sie nie wieder das Paar sein, das sie einmal waren. „Über tausend Mal habe ich dein Todesurteil unterschrieben, Irm, Abend für Abend, vergiss das nicht!“, fleht Alma sie an, als könnte es endlos so weitergehen.

Während sie sich vorsichtig an ein paar Schiller-Stellen versuchen, kommt immer wieder die Frage auf, welche Rollen ihnen als Schauspielerinnen in ihrem Alter überhaupt noch bleiben? Wo, fragen sie sich, sind die großen Frauenpaare der Weltliteratur à la Don Quijotte und Sancho Panza, Wladimir und Estragon, Stan und Olli, Winnetou  und Old Shatterhand?


Judith Rosmair (c) Karin Rocholl


BIOGRAFIEN

Judith Rosmair (c) Manu TheobaldJudith Rosmair
Ausgezeichnet als Schauspielerin des Jahres 2007 in der Kritiker*innenumfrage der Fachzeitschrift Theater heute 
Judith Rosmair studierte Tanz in New York City und Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Es folgten Engagements am Schauspielhaus Bochum, am Thalia Theater Hamburg und an der Schaubühne Berlin, seit 2012 arbeitet Rosmair frei. Sie war Protagonistin in Arbeiten von zahlreichen namhaften Regisseur*innen, wie Wajdi Mouawad, Falk Richter, Thomas Ostermeier, Dimiter Gotscheff, Nicolas Stemann, Martin Kušej, Wilfried Minks, Helene Hegemann, Gesine Dankwart, Anouk van Dijk, Jürgen Kruse, Frank Castorf, Jürgen Gosch und Werner Schroeter.

Sie arbeitet in den Bereichen Theater, Film, TV, Hörspiel und Oper, wie 2019 als Emmeline in „King Arthur“ in der Inszenierung von Torsten Fischer am Gärtnerplatz München. Seit 2017 spielt sie in „Tous des Oiseaux“ von Wajdi Mouawad am Theatre National Colline in Paris und auf internationalen Festivals. Rosmair war von Juni bis Ende August 2018 Stipendiatin des Goethe Instituts der Kulturakademie Tarabya in Istanbul. Dort entwickelte sie mit dem DOCUMENTA14-Videokünstler Theo Eshetu den Film „Europa“. Sie schreibt und produziert eigene Performances, wie ihr bei Presse und Publikum gefeiertes Theaterstück „Curtain Call!“ mit dem Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern. Beim Kunstfest Weimar 2020 inszenierte und spielte sie die Uraufführung „Endlose Aussicht“ von Theresia Walser, eine weitere Zusammenarbeit mit Eshetu, der auch an Rosmairs Virtual-Reality-Theater-Projekt „Bye Bye Bühne“ beteiligt war das beim Kunstfest Weimar 2021 uraufgeführt wurde. Seit der Spielzeit 2020/2021 ist sie als Fräulein Julie in der gleichnamigen Gastspielproduktion des Berliner Renaissance Theaters und der Konzertdirektion Landgraf an der Seite von Dominique Horwitz zu sehen. Judith Rosmair arbeitet international und lebt in Berlin.

Theresia Walser © Susanne JeffsTheresia Walser
Die 1967 in Friedrichshafen geborene jüngste Tochter des bekannten Schriftstellers Martin Walser gehörte nach ihrer Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Bern zwei Jahre lang zum Ensemble am Jungen Theater Göttingen. 1997 wurden ihre ersten beiden Stücke uraufgeführt: „Das Restpaar“ in Stuttgart und „Kleine Zweifel“ an den Münchner Kammerspielen. Über Nacht berühmt wurde sie dann 1998 nach der Uraufführung ihres Stücks „King Kongs Töchter“ am Zürcher Theater am Neumarkt. 1998 wählte sie die Kritikerauswahl der Zeitschrift Theater heute zur besten Nachwuchsautorin, 1999 sogar zur Autorin des Jahres. Weitere Preise und Auszeichnungen folgten, u. a. 1998 die Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises des Landes Baden-Württemberg, 1999 der Übersetzungspreis des Goethe-Instituts und 1999 sowie 2001 jeweils der Stücke-Förderpreis des Goethe-Instituts. 2006 erhielt sie ein Stipendium der BHF-Bank-Stiftung. Ein guter Gradmesser dafür, ob man es als Dramatiker*in geschafft hat, ist sicher die Einladung zu den jährlich stattfindenden Mülheimer Theatertagen. Hier sucht eine Jury aus Theaterfachleuten aus den neuen Stücken der Saison die sieben besten aus. Bislang vier Mal hatte Theresia Walser schon die Ehre, für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert zu sein: 1999 für „King Kongs Töchter“, 2001 für „So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr“, 2005 für „Die Kriegsberichterstatterin“ und 2008 für „Morgen in Katar“.

Vor „Königinnen“ (AT) und „Endlose Aussicht“ (UA 2020 im Rahmen des Kunstfests Weimar) wurden zuletzt Theresia Walsers Stücke „Nach der Ruhe vor dem Sturm“ (UA 2018 am Nationaltheater Mannheim) und „Die Empörten“ (UA 2019, Salzburger Festspiele in Koproduktion mit Staatstheater Stuttgart) unter der Regie von Burkhard C. Kosminski uraufgeführt. Im Programm der Konzertdirektion Landgraf lief die EURO-STUDIO-Produktion ihres Stücks „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ 2014-2017 u. a. mit Doris Kunstmann, Saskia Valencia und Reinhild Solf (Regie: Hans Hollmann) erfolgreich auf Tournee. Theresia Walser lebt bei Freiburg im Breisgau.