Plakat Einsteins Verrat © DERDEHMEL

Einsteins Verrat

Schlossparktheater Berlin
Einsteins Verrat
(La Trahison d’Einstein)
Schauspiel von Éric-Emmanuel Schmitt
Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker

Regie-, Bühnen- u. Kostümkonzept: Paul Bäcker
Mitarbeit Regie: Philippe Roth
Mitarbeit Bühnenbild: Tom Weinhold
Mitarbeit Kostüme: Viola Matthies

Mit Volker Brandt, Matthias Freihof, Mathias Harrebye-Brandt
(3 Mitwirkende) 

Wiederholungstournee
23.03.2018 – 10.04.2018 


100 Jahre Relativitätstheorie  
Das hundertjährige Jubiläum der Relativitätstheorie Albert Einsteins dominierte 2015 alle Medien. Eine ganz empathische Perspektive auf das Genie, den Nobelpreisträger und Pazifisten Einstein eröffnet das Theaterstück von Eric-Emmanuel Schmitt. 

INHALT

Aus dem Textbuch:
Ein Spätnachmittag in New Jersey, am Ufer eines Sees. Während die Sonne versinkt, den goldenen Horizont kupfern färbt, bereitet ein Mann auf dem Boden sitzend sein bescheidenes Mahl zu, Brot, Schinken, Pickels. Ein Vagabund. In Sandalen, zerknitterter, schmuddeliger Kleidung, er hat seinen Rucksack ins Gras gestellt, schaut ab und zu hoch, um zu sehen, was in der Ferne geschieht. (…)
Als die Szene, die er beobachtet, seinen Blick nach rechts führt, erscheint auf dieser Seite Albert Einstein. An diesem Tag, 1934, ist Einstein fünfundfünfzig Jahre alt. Struppiges Haar, weites, zu großes Hemd, Hose aus Leinen, ohne Socken in den Schuhen, ist er nicht viel besser angezogen als der Vagabund. Zerzaust und nass steigt er aus seinem Segelboot und schüttelt sich am Ufer. Dem Vagabund zulächelnd ordnet er seine Kleider, trocknet sich dann mit einem Handtuch ab, das er aus einer Sporttasche holt…
So begegnet der obdach- und namenlose Protagonist dem großen Physiker Albert Einstein zum ersten Mal. Sein Gegenüber eingangs für einen armen Schlucker haltend, hält der Vagabund sich nicht zurück, seinen Hass auf die Deutschen und den Wissenschaftler unverblümt kundzutun. Als Einstein sich schließlich zu erkennen gibt, entsteht trotz aller Vorbehalte auf Seiten des Amerikaners ein Dialog auf Augenhöhe, der zum roten Faden des ganzen Stücks wird. Während der Physiker noch darüber nachdenkt, ob er seine in Europa verbliebenen Söhne liebt, trauert der Vagabund um seinen eigenen im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn: »Es ist ganz simpel, ich hatte nie den Sinn des Verbs ,lieben’ verstanden, bis ich mich über die Wiege von Eddy beugte. Mein Sohn war ein großer Amerikaner. Mein Sohn war ein Held.«
Éric-Emmanuel Schmitts Schauspiel ist kein primär dokumentarisches oder historisches Werk, enthält
aber die grundsätzlichen ethischen und soziologischen Überlegungen Albert Einsteins, seine berühmtesten Zitate und nicht zuletzt die Fragen des Genies nach Verantwortung. Immer wieder entspinnen sich zwischen den Gesprächspartnern spannungsgeladene Diskussionen über Krieg, dessen Notwendigkeit und die (Un-)Möglichkeit von Pazifismus als Gesellschaftsform.
Während die Freundschaft der beiden Männer wächst, wird der Vagabund immer öfter von einem mysteriösen Dritten heimgesucht, der sich bald als FBI-Agent namens Simpson offenbart. Seine Anweisung ist deutlich: Der Vagabund soll zum Spitzel werden und Einstein möglichst eindeutige Äußerungen gegen Amerika beziehungsweise als klar kommunistisch identifizierbare Ansichten entlocken. Für Simpson ist der Wissenschaftler ein Staatsfeind, den es zu bekämpfen gilt. Eine ebenso lebensbejahende wie beklemmende Geschichte über Freundschaft, Prinzipien und die unbändige Kraft der Fantasie.

Matthias Freihof, Volker Brandt © DERDEHMEL Matthias Freihof, Volker Brandt © DERDEHMEL Plakat Einsteins Verrat © DERDEHMEL


BIOGRAFIEN

AUTOR
Eric-Emmanuel Schmitt gelingt es auf unvergleichliche Weise in anrührenden und bewegenden Bildern, in tiefgründigen, humorvollen Dialogen die inneren Konflikte des überzeugten Pazifisten Einstein offen zu legen und einen Menschen voller Güte, Wärme und Witz, aber auch mit allen Zweifeln und Selbstzweifeln im Spannungsfeld des vergangenen Jahrhunderts zu zeigen. Eines Jahrhunderts, in dem die Wissenschaft mit ihren Entdeckungen das Weltbild radikal veränderte und der Menschheit mit der Atombombe das Mittel zur eigenen Vernichtung in die Hand gab. Und Einstein weiß, dass er in dieser verhängnisvollen Entwicklung eine zentrale Rolle gespielt hat. Er begreift seinen „Verrat“ als Selbstverrat, weil er als Pazifist für den Bau der Bombe eintrat, um dem der deutschen zuvorzukommen. Und als Verrat an ihm selbst durch dieselben Leute, die sie dann tatsächlich über Nagasaki und Hiroshima mit verheerenden Folgen einsetzten.

DARSTELLER
Matthias Freihof
studierte von 1983-1987 an der Hochschule für Schauspielkunst ‚Ernst Busch’ in Berlin und baute sich eine Karriere als Schauspieler und Sänger auf. Er arbeitete an verschiedenen großen Berliner Theatern und wirkte als Entertainer in mehreren Cabaret- und Showproduktionen im Berliner Palast der Republik sowie im Friedrichstadtpalast mit. Seinen Durchbruch als Schauspieler feierte Matthias Freihof mit seiner Hauptrolle in dem preisgekrönten DEFA-Film „Coming Out“ (Regie: Heiner Carow), der mit dem Silbernen Bären der Berlinale 1990 ausgezeichnet wurde. Er selbst wurde mit dem Darstellerpreis des letzten Nationalen Filmfestivals der DDR geehrt. Er war Meisterschüler der weltbekannten Brecht-Interpretin Gisela May und arbeitete zu Beginn der 1990er Jahre als Schauspielpädagoge an der Hochschule für Schauspielkunst ‚Ernst Busch’ in Berlin. Nach dem Mauerfall etablierte sich Matthias Freihof mit Serien-, Haupt- und Episodenrollen im deutschen Fernsehen, vor allem in der Rolle des Kommissars Lorenz Wiegand in der ZDFSerie „Siska“. Hervorzuheben ist seine Rolle als Flugzeugpilot der entführten Landshut in Heinrich Breloers Fernsehfilm „Todesspiel“. Für das Kino arbeitete Matthias Freihof unter anderem mit Regisseuren wie Doris Dörrie („Die Friseuse“), Pierre Sanoussi- Bliss („Zurück auf los“) oder Brian Singer („Valkyrie“). Als Interpret verschiedener Musical-, Solo- und CD-Produktionen erreichte er ein breites Publikum, Konzerttourneen führten ihn durch Europa, Asien, Südamerika und in den arabischen Raum. Seit einigen Jahren ist Freihof auch als Regisseur am Theater tätig. Unter anderem führte er Regie er an der Komödie Düsseldorf, am Theater am Kurfürstendamm und an der Komödie Dresden. Das von ihm inszenierte Stück „Möwe und Mozart“ mit Doris Kunstmann und Peter Fricke ging er bereits in der Spielzeit 2012/2013 erfolgreich auf Tournee, 2014 folgte seine Uraufführungs-Inszenierung des Männer-Musicals „Mann über Bord – Eine musikalische Midlife-Krise“, eine Koproduktion des Theaters im Rathaus Essen mit dem EURO-STUDIO Landgraf. Nach seiner Rolle als Großer Mann im Erfolgsstück „Der kleine König Dezember“ spielt er zum wiederholten Mal in einer Eigenproduktion des Schlosspark Theaters.

Volker Brandt wurde 1935 in Leipzig geboren und wuchs in seiner Geburtsstadt, in Hannover und – kriegsfluchtbedingt – noch in weiteren zwölf Orten auf. Seine Schauspielausbildung erhielt er an der Otto-Falckenberg Schule in München. Nach dem Studium folgten Engagements am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, dem er unter der Generalintendanz von Gustaf Gründgens sechs Spielzeiten angehörte, an den Städtischen Bühnen Frankfurt, am Theater an der Josefstadt Wien sowie fünf Jahre am Schillertheater und Schlosspark Theater Berlin. Er arbeitete mit bedeutenden Regisseuren wie Piscator, Barlog, Lietzau und Tabori. Auch als freischaffender Schauspieler war er an unterschiedlichen Theatern engagiert, beispielsweise in Berlin am Theater des Westens, dem Renaissance-Theater und dem Theater am Kurfürstendamm, in München an der Komödie im Bayerischen Hof, an der Komödie am Max II und am Deutschen Theater, am Theater am Dom Köln, in Düsseldorf am Theater an der Kö sowie der Komödie. Auf Tourneen war er u. a. in Ibsens „Hedda Gabler“ und „Ein Volksfeind“, als Dorfrichter Adam in Kleists „Der zerbrochne Krug“ und als Professor Higgins in Shaws „Pygmalion“ zu sehen.
Anfang der 1970er Jahre wurde Volker Brandt auch im Fernsehen zu einem der gefragtesten Darsteller. Neben Auftritten in so beliebten Krimi-Reihen wie „Derrick“, „Ein Fall für Zwei“, „Wolffs Revier“ und „Soko 5113“ ist vor allem seine Rolle des Kommissar Walther in sieben Folgen „Tatort“ zu nennen, ebenso wie seine Rolle des Schwerenöters Dr. Schübel in der legendären Serie „Die Schwarzwaldklinik“. Darüber hinaus hat er sich auch als gefragter Synchronsprecher einen Namen gemacht und leiht vor allem Michael Douglas seit mehr als 30 Jahren seine Stimme. Außerdem hat Volker Brandt zahlreiche Hörbücher eingesprochen. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Susanne Meikl hat er auch literarische Programme im Repertoire. Bis heute hat er seine Berufswahl nicht bereut.

Mathias Harrebye-Brandt studierte zunächst Literaturwissenschaft an der Universität Kiel. Während seines Studiums trat er bereits regelmäßig auf der Studentenbühne im Theater im Sechseckbau auf. Von 1994-1998 nahm er privaten Schauspielunterricht in Hamburg und Kiel. Eine klassische Schauspielausbildung absolvierte er nicht, sondern erwarb seine schauspielerischen Fertigkeiten hauptsächlich autodidaktisch. Von 2000-2002 war er unter dem Intendanten Tadeusz Galia festes Ensemblemitglied am Polnischen Theater in Kiel. Weitere Theaterengagements hatte er bei dem freien Theaterensemble Deich Art, am Ostseetheater Flensburg oder beim Baltic Open Air Festival. Seit der Spielzeit 2013/14 ist er in der Produktion „Einsteins Verrat“ am Schlosspark Theater Berlin sowie beim Tournee-Theater THESPISKARREN zu sehen.

REGIE, BÜHNEN- und KOSTÜMKONZEPT
Paul Bäcker studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin, erhielt eine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt- Schule, ging als Austauschstudent an die Royal Academy for Dramatic Arts in London und spielte dort im West End am Vanderburgh-Theatre. Nach seiner Rückkehr hatte er Engagements am Berliner Hebbeltheater, unter Boleslav Barlog am Schiller- und Schlosspark Theater, ging als Schauspieler, Dramaturgie- und Regieassistent nach Kiel, Essen und Krefeld, war Regisseur am Frankfurter TAT (Theater am Turm) und wurde schließlich Oberspielleiter und Chefdramaturg in Mainz. Seit einem weiteren Auslandsintermezzo am Amsterdamer Mickery Theater arbeitet er als freier Regisseur (ca. 150 Inszenierungen) an vielen deutschen Bühnen sowie als Lektor und Übersetzer für mehrere Theaterverlage. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Werke von Éric- Emmanuel Schmitt, die er teilweise nicht nur übersetzt, sondern auch selbst inszeniert hat. Vor fast 50 Jahren hat Paul Bäcker als junger Schauspieler am Schlosspark Theater angefangen und so schließt sich mit dieser „Einstein“-Inszenierung – der zweiten nach „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ (2010) – für ihn ein Kreis.


PRESSESTIMMEN

Das Bad Kissinger Publikum spendete viel Beifall für die beiden Hauptprotagonisten, die ihre inhaltlichen Positionen mit zunehmender Ernsthaftigkeit ausdifferenzierten und einem eigentlich reinen Dialog-Stück alle Trockenheit wegnahmen und dynamisch darstellerische Emotion aufbauten, die die beiden Gesellen am Strand recht lebensecht wirken ließ.
BAD KISSINGEN Joachim Rübel, Bad Kissinger Anzeiger, 4.5.2016.

Trotz des enormen moralischen Gehalts kommt die Aufführung in keinem Moment belehrend oder moralinsauer daher. Statt dessen steht die Skepsis gegenüber einer geordneten, einfachen Welt immer im Raum.
NEUSTADT/ WEINSTR. Sigrid Ladwig, Die Rheinpfalz, 30.4.2016.

Berührende Freundschaft
Die beiden Herren brachten durchaus rüber, was Schmitt mit diesem Stück vermitteln wollte: In einer ungewöhnlichen und sehr privaten Situation werden Themen wie das Dilemma der Physiker angesichts der Atombombe, der Generalverdacht gegenüber allen Asylanten in Amerika nach Kriegsende und das Scheitern eines naiven Pazifismus in den berührenden Rahmen einer Freundschaft zweier ungleicher, aber sich als absolut gleichwertig erweisender Partner dargestellt.
BAD KISSINGEN Gerhild Ahnert, Saale-Zeitung, 29.4.2016.

Das Publikum applaudierte sehr lange, holte die drei Akteure immer wieder auf die Bühne, was diese zu überraschen schien, denn einfache Kost hatten sie ihm nicht geboten.
BAD KISSINGEN kag, Main-Post, 29.4.2016.

Ein starkes Stück, das bei aller historischen Tragik von Momenten voller Poesie, Humor und einer tiefen Menschenfreundlichkeit durchwoben ist. Dem und der bravourösen schauspielerischen Leistung zollten die Besucher im fast voll besetzten Hofgarten viel Beifall.
IMMENSTADT Rosemarie, Schwesinger, Allgäuer Zeitung, 26.4.2016.

Wie kein zweiter Autor schafft es Eric-Emmanuel Schmitt, Schöpfer von Stücken wie „Enigma“ oder „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, hochkomplexe und philosophische Themen in unterhaltsame, leicht zugängliche Dialoge zu verpacken, ohne dabei zu banalisieren.
ESSEN Gordon K. Strahl, WAZ, 18.4.2016.

Volker Brandt als lebensbejahender Vagabund und Matthias Freihof als Albert Einstein voller wachsender Selbstzweifel bieten zwei Stunden packendes Schauspiel.
ESSEN Gordon K. Strahl, WAZ, 18.4.2016.

Die drei Darsteller füllten den großen Bühnenraum und bezogen auch den ganzen Saal in ihr Spiel ein. Die Spielweise der Schauspieler machte die Geschichte nicht nur thematisch anspruchsvoll, sondern auch humorvoll. Handlungen, Gestik und Wortwitz ließen das Publikum schmunzeln.
BOCHOLT David Niermann, Bocholter-Borkener Volksblatt, 4.10.2014.

Mit dem Theaterstück ist es Regisseur Paul Bäcker nicht nur gelungen, kritische Themen wie die Entstehung der Atombombe aufzugreifen, sondern er spannte auch den Bogen zu heutigen Ereignissen.
BOCHOLT David Niermann, Bocholter-Borkener Volksblatt, 4.10.2014.

Das Stück bietet zwei starke Rollen. Beide wurden auch stark ausgefüllt. Volker Brandt, ebenso Dauergast im Fernsehen wie Matthias Freihof, gab einen mal schnodderigen, mal kämpferischen Vagabunden, der Einstein die Zähne zeigte und sich nur selten von seinem Ruhm beeindrucken ließ. Matthias Freihof verstand es exzellent, Einsteins Skrupel zu vermitteln. Er verwandelte ihn, ohne sein Genie zu zerstören, in einen verzweifelten Menschen, der das Gute will, aber unversehens das Böse fördert.
MEGGEN (te) Westfälische Rundschau, 2.10.2014.

Schmitts will mit seinen Theaterstücken keine Botschaften verkünden, „sondern Fragen provozieren.“ Das ist ihm gelungen. Die Zuschauer dankten ihm und den Darstellern mit anhaltendem Applaus für einen spannenden, unterhaltsamen Abend.
MEGGEN (te) Westfälische Rundschau, 2.10.2014.

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