Geächtet (Illustration)

Geächtet (Disgraced)

Koproduktion mit Schauspielbühnen in Stuttgart,
Altes Schauspielhaus
GEÄCHTET (DISGRACED)
Schauspiel von Ayad Akhtar
Deutsch von Barbara Christ
Ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis für Theater 2013
Mit Dominique Siassia u.a.
5 Mitwirkende

15.02.2018 – 24.03.2018


INHALT

Wenn ein Moslem, der seine Herkunft verachtet, ein Jude, der Political Correctness über alles stellt, eine aufgestiegene Afroamerikanerin im Karriere-Rausch und eine weiße Christin, die der Kunst des Islams verfallen ist, sich zum Abendessen treffen, dann ist das Konfliktpotenzial auch so schon riesengroß. Doch auch äußere Einflüsse bleiben nicht aus bei diesem Dinner, das in der schicken Upper-East-Side-Wohnung von Amir und Emily stattfindet. Der Pakistani Amir ist Anwalt, die Afroamerikanerin Jory seine Konkurrentin in der Firma. Sie begleitet ihren Mann, den jüdischen Kurator Isaac, der sich zuvor Emilys Bilder angesehen hat und ihr an diesem Abend die frohe Nachricht überbringt, dass ihre Werke in seiner nächsten Ausstellung gezeigt werden. Der Abend gehört Emily. Für ganze zwei Minuten. Danach beginnen die Diskussionen um Tradition, Glaube und Fundamentalismus. Wenn Amir erzählt, wie er an Flughäfen angestarrt wird, weil man in ihm immer einen Terroristen vermutet oder Jory sich empört, dass Verschleierung der Frau das Individuum auslösche, fliegen harte Thesen durch die Luft. Und viele von ihnen schweben noch lange im Raum.
Nach und nach kommen die (Vor-)Urteile und Weltanschauungen der vier sehr unterschiedlichen Menschen in den Dialogen zum Vorschein und buchstäblich auf den Tisch. Zwischendurch reicht man Pfeffermühle und Brot hin und her. Als schließlich der Alkohol die Zungen löst, werden die Diskussionen hitziger. Amir begreift nicht, was seine Frau am Islam fasziniert. Er selbst sieht darin eine rückständige Stammes- und Wüstenkultur, die für ihn keine erstrebenswerte Lebensform darstellt. Isaac, der die Argumente Amirs immer wieder beschwichtigt, wird von Emily angeklagt, überall Antisemitismus zu argwöhnen. Und dann dringt auch noch eine bittere Nachricht in die Runde: Jory ist befördert worden, obwohl Amir viel länger in der Kanzlei arbeitet als sie. Ist es weil…? Und warum stellt sich diese Frage überhaupt?
Die Auseinandersetzung mit gängigen Klischees über religiöse oder ethnische Zugehörigkeiten bestimmt dieses Stück, das viel mit den tragikomischen Theaterstücken von Yasmina Reza gemein hat. Mal subtil und witzig, mal nachdenklich, mal aggressiv – immer geht es darum, die eigene Meinung und Perspektive zu hinterfragen. Ein unverzichtbares Stück Literatur in einer multikulturellen Welt, in der es noch immer an adäquaten Antworten auf die gestellten Fragen mangelt.


DER AUTOR

Ayad Akhtar wurde 1970 in New York geboren, wuchs in Wisconsin auf und studierte Theater an der Brown University. Nach Abschluss des Studiums verbrachte er ein Jahr in Italien, wo er Schauspiel bei Jerzy Grotowski studierte. Es folgte ein Masterstudium im Fach Regie an der Columbia University in New York. Akhtar schreibt für Theater, Film und Fernsehen, sein erster Roman erschien 2012. Für sein Theaterstück „Disgraced“ erhielt er 2013 den Pulitzer-Preis.

DARSTELLER

Siassia, Dominique © Nela KönigDominique Siassia wurde in der Hansestadt Osterburg in Sachsen-Anhalt geboren. Kurz nach der Geburt wanderte ihre Mutter mit ihr in die Republik Kongo aus. Dort wuchs sie zweisprachig (deutsch und französisch) in der Hauptstadt Brazzaville auf; drei Monate im Jahr verbrachte sie bei ihren deutschen Großeltern. Aufgrund des beginnenden Bürgerkrieges in Kongo-Brazzaville floh die Mutter mit der damals neunjährigen Dominique 1988 zurück nach Sachsen-Anhalt. Nach kurzem Aufenthalt folgte ein Jahr vor dem Mauerfall für die Familie die Flucht in den Westen. Nach der Anfangszeit in einem Flüchtlingsheim konnten sie in Duisburg Fuß fassen. Dort machte Dominique Siassia ihr Abitur. Ihr Studium absolvierte sie in den Fächern Schauspiel, Gesang und Tanz 2000-2004 an der Folkwang Universität der Künste. Parallel dazu wurde sie als weibliche Hauptrolle in der multimedialen Inszenierung des Stücks „39,90“ nach dem gleichnamigen Roman von Frédéric Beigbeder engagiert. „39,90“ war gleichzeitig ihr Dreh- und ihr Theaterdebüt sowie ihr erstes und sehr erfolgreiches Gastengagement am Düsseldorfer Schauspielhaus (2001-2003). Nach Beendigung des Studiumsund des Düsseldorfer Engagements konzentrierte sich Siassia zunächst auf musikalische Projekte und war 2004-2006 vor allem als Sängerin u. a. mit Tourneeproduktionen unterwegs. Einem breiten Publikum ist sie seit ihrer Hauptrolle in der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ (2007-2008) bekannt. Zu ihren weiteren Fernseharbeiten gehören „Die Rosenheim Cops“, „Anna und die Liebe“ sowie Krimi Spielfilme der ZDF-Reihe Nachtschicht: „Welt aus Eis“, „Ein Mord zu viel“ und die Jubiläumsfolge „Reise in den Tod“ mit ihr und Götz George in den Hauptrollen. 2012 spielte sie in einer Gastrolle als Anna Stern, im zweiten Teil der ZDF-Krimi-Verfilmung des gleichnamigen Romans „Martaler – Partitur des Todes“ an der Seite von Julia Jentsch. 2013 stand sie für die Dreharbeiten der ZDFKomödie „Mütter-Mafia“, nach dem gleichnamigen Roman, in der Hauptrolle Paris mit Annette Frier vor der Kamera.
Am Theater war sie drei Jahre am Düsseldorfer Schauspielhaus, danach folgten Tourneeproduktionen mit ihr in der Hauptrolle: „Suche impotenten Mann fürs Leben“ (Konzertdirektion Landgraf), „Zeitfenster“ (Hamburger Kammerspiele), die zwei Musicals „Die Harry Belafonte Show“ und „Die Nelson Mandela Story“ (Theatergastspiele Kempf), sowie „King Lear“ (Renaissance Theater Berlin und Ruhrfestspiele Recklinghausen). 2013-2014 spielte sie an den Schauspielbühnen Stuttgart in der weiblichen Hauptrolle Emmi für die Stückfassung des gleichnamigen Bestseller Romans „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“.

PRESSESTIMMEN

Kritiker*innenumfrage von Theater Heute 2016
Berliner Triumph
…. Als Ausländisches Stück des Jahres wurde wiederum sehr eindeutig „Geächtet“ von Ayad Akthar ausgezeichnet …..
(Kultiversum /sae)

Das eine Stück heißt TERROR, das andere GEÄCHTET: An deutschen Bühnen sind es die meistgespielten Stücke der Saison.
MÜNCHEN Hubert Spiegel, FAZ, 06.02.2016

„Geächtet“ wird als ,Stück der Stunde’ gehandelt und in diesem Jahr noch in mehreren deutschen Theatern zu sehen sein.
BERLIN Stefan Bock, Der Freitag, 31.1.2016.

Mit seinem Pulitzerpreis-gekrönten Debütstück gelang Ayad Akhtar ein intelligenter Broadwayhit, der im leichten Plauderton ein gesellschaftliches Minenfeld betritt und nun auch die deutschen Spielpläne erobert.
MÜNCHEN Petra Hallmayer, nachtkritik.de, 4.2.2016.

Als Konversationsstück über Religion und Rassismus trifft „Geächtet“ den Nerv der Zeit.
HAMBURG dpa, Hamburger Abendblatt, 17.1.2016.

Zunehmend gerät die intellektuelle Souveränität der weltoffenen und toleranten Menschen, die da bei Wein und Fenchel-Anchovis-Salat beisammensitzen, ins Wanken, verfallen sie in den Antagonismus von wir und ihr.
MÜNCHEN Petra Hallmayer, nachtkritik.de, 4.2.2016.

Um dieses Wir geht es. Zu welcher Gruppe gehört man? Wie offen ist eine Gesellschaft? Welche Rollen spielen die ethnischen und religiösen Wurzeln auch in der zweiten oder gar dritten Einwanderer-Generation noch?
HAMBURG Katja Weise, ndr.de, 17.1.2016.

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