Hellena Büttner und Peter Bause © Bernd Böhner

Die Physiker

Tournee-Theater Thespiskarren
DIE PHYSIKER
Schauspiel in zwei Akten von Friedrich Dürrenmatt

Mit Hellena Büttner, Sibylla Rasmussen, André Vetters,
Stephan Bürgi, Peter Bause, Regula Steiner-Tomic,
Christian A. Hoelzke, Raimond Knoll u. a.

9 Mitwirkende

Regie: Herbert Olschok
Ausstattung: Alexander Martynow

10.01.2020 – 24.02.2020


INHALT 

In dem beschaulichen Schweizer Sanatorium Les Cerisiers werden zwei Krankenschwestern ermordet, angeblich erdrosselt von ihren Patienten. Auf den ersten Blick erscheinen diese durchaus harmlos: Der eine hält sich für Albert Einstein, der andere für Sir Isaac Newton und dem dritten – Johann Wilhelm Möbius – erscheint der König Salomon. Doch unter den Augen des mit dem Fall betreuten Inspektors Voß offenbart sich immer deutlicher, dass hier nichts so ist, wie es scheint. Möbius z.B., ist nicht etwa ein ‚Irrer‘ sondern ein brillanter Physiker, der die „Weltformel“ entdeckt hat. Weil aber deren Anwendung katastrophale Folgen für die Menschheit haben würde, versteckt er sich im Irrenhaus, in der Hoffnung, sein Wissen vor der Welt zu verheimlichen. Doch wie lange kann einmal Gedachtes tatsächlich verborgen bleiben? Mathilde von Zahnd, die missgestaltete Besitzerin und Chefärztin des Irrenhauses, hat bereits Kopien der Aufzeichnungen Möbius’ erstellt und will mit der Formel nun die Weltherrschaft erringen. Das Irrenhaus entpuppt sich als Falle, und so treibt das Geschehen, allen Bemühungen Möbius‘ zum Trotz, unaufhaltsam auf die »schlimmstmögliche Wendung« zu. 1962 am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt, wurde „Die Physiker“ sofort zum Publikumsrenner und war in der Spielzeit 1962/1963 das meistgespielte Stück auf deutschen Bühnen. Auch Jahrzehnte später gehört es noch zu den am häufigsten aufgeführten Stücken Dürrenmatts und ist Pflichtlektüre an vielen Schulen.

Dürrenmatt schrieb das von ihm selbst als »Komödie« untertitelte Stück im Jahr 1961, als die Nukleartechnik noch jung war und der Kalte Krieg auf einen gefährlichen Höhepunkt zusteuerte. Zum ersten Mal entstand zu dieser Zeit ein Bewusstsein dafür, dass von nun an das Ende der Welt in der Hand des Menschen selbst liegen könnte, sei es als mögliche Folge einer aktiven Handlung oder als Folge eines Kontrollverlusts über die eigene Technik. So zeichnet Dürrenmatts Schauspiel den Menschen als Wesen voller Mängel, konfrontiert mit einer sich fortwährend technisierenden Welt, die längst zu komplex geworden ist, als dass sie durch uns noch begreifbar wäre. Ein halbes Jahrhundert später ist die Technik noch weiter fortgeschritten, die Welt hat sich rasend schnell verändert – doch die düstere Vision Friedrich Dürrenmatts hat nichts von ihrer Aktualität verloren. 


 


BIOGRAFIEN

Peter Bause © Bernd BöhnerPeter Bause
Dank seiner schauspielerischen Virtuosität und Varianz – er absolvierte sein Studium an der Theaterhochschule in Leipzig – war Peter Bause nicht nur an seinem Stammhaus, dem Berliner Ensemble, einer der meistbeschäftigten Schauspieler der ehemaligen DDR. Auch im Fernsehen war er in eigenen Satire- und Showsendungen zu sehen. Mittlerweile ist Peter Bause in ganz Deutschland populär, hatte Engagements am Staatsschauspiel Dresden (Lyman in Millers „Talfahrt“, Mr. Jay in George Taboris „Goldberg Variationen“ u. a.) und am Volkstheater München (Erzähler im „Kaukasischen Kreidekreis“, Ziffel in „Flüchtlingsgespräche“). Im Repertoire hat Peter Bause zudem noch Lesungen mit Texten von Morgenstern, Brecht und Tucholsky und Solostücke wie „Der Kontrabass“, „Der Fall Judas“ oder „Tagebuch eines Wahnsinnigen“. Im Fernsehen spielte Peter Bause den Lehrer Dumbeck in „Unser Lehrer Dr. Specht“ und Hauptrollen in „Ein Bayer auf Rügen“ und in der Serie „Mordslust“. Neben allen Verpflichtungen nimmt Peter Bause sich immer noch die Zeit, sich als Dozent an der Hochschule für Schauspielkunst um den Schauspielernachwuchs zu kümmern. Seit 1993 ist Peter Bause regelmäßig mit dem EURO-STUDIO Landgraf auf Tournee. Er war u.a. in folgenden Rollen zu sehen: Paulino in „Ay, Carmela!“, Schuster Voigt in „Der Hauptmann von Köpenick“, Mackie Messer in „Die Dreigroschenoper“, Azdak in „Der kaukasische Kreidekreis“ (1. INTHEGA-Preis 1996), Bill Cracker in „Happy End“, Puntila in „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ (2. INTHEGA-Preis 2002), die Titelrolle in „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ (Regie Peter Kupke).
2010 erhielt Peter Bause den Sonderpreis des INTHEGA-Vorstands für sein Lebenswerk und sein Wirken für das Theater in der Fläche.
Auch in Gerhart Hauptmanns Schauspiel „Vor Sonnenuntergang“ spielte er die Hauptrolle – eine 2007 mit dem 2. INTHEGA-Preis ausgezeichnete Produktion. 2009/2010 spielte Peter Bause außerdem unter der Regie von Wolfgang Engel den Richard Strauss in Ronald Harwoods Stück „Kollaboration“ (2. INTHEGA-Preis 2010). 2013/2014, 2015/2016 sowie 2017/2018 war er an der Seite seiner Frau Hellena Büttner in seiner Paraderolle als Armeleuterichter Azdak in Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ auf Tournee. Seit 2014/2015, 2016/2017 und 2018/2019 stand er außerdem als Otto Quangel in „Jeder stirbt für sich allein“ (2. INTHEGA-Preis 2015) nach Hans Fallada gemeinsam mit ihr auf der Bühne.

Hellena Büttner © Bernd BöhnerHellena Büttner
Die Schauspielerin ist ein richtiges Theaterkind: Sie entstammt einer Familie, die in der fünften Generation Theatermenschen hervorgebracht hat. Ihr Vater war Schauspieler in Berlin und Dresden (später dort auch Intendant) und spielte zusammen mit Gustaf Gründgens und Heinrich George. Hellena Büttner besuchte traditionsgemäß die Staatliche Schauspielschule in Berlin und konnte noch während des Studiums 1971 ihr erstes Engagement am Volkstheater Rostock antreten; 1973 wechselte sie ans Neue Theater Halle, seit 1977 ist sie freischaffend. Hellena Büttner spielte Gastrollen am Deutschen Theater, am Friedrichstadtpalast und im Theater am Gendarmenmarkt in Berlin. Ihr Schwerpunkt aber lag bei der Arbeit vor der Film- und Fernsehkamera. Hier nur einige Titel der Filme und Serien, in denen sie mitwirkte: „Keppler“, „Abschied von Gabriele“, „Der blaue Oskar“, „Polizeiruf 110“, „Viechereien“ (das war die DEFA-Version von „Ein Platz für Tiere“), „Praxis Bülowbogen“, „Alles Glück der Erde“, „Unser Lehrer Dr. Specht“, „Sonntag & Partner“. 1995 ging Hellena Büttner das erste Mal mit dem EURO-STUDIO Landgraf auf Tournee: Zusammen mit ihrem Mann Peter Bause spielte sie in Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ (1. INTHEGA-Preis 1996). Es folgten „Die Dreigroschenoper“, „Happy End“, „Herr Puntila und sein Knecht Matti“, „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ (2. INTHEGA-Preis 1997) und Gerhart Hauptmanns Schauspiel „Vor Sonnenuntergang“ (2. INTHEGA-Preis 2007). 2009/2010 spielte Hellena Büttner an der Seite von Peter Bause die Pauline Strauss in Ronald Harwoods Stück „Kollaboration“ (2. INTHEGA-Preis 2010) und 2013/2014, 2015/2016 sowie 2017/2018 u. a. die Gouverneursfrau in der Neuproduktion von Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“. 2014/2015, 2016/2017 und 2018/2019 begeisterte sie als Anna Quangel in der EURO-STUDIO-Produktion „Jeder stirbt für sich allein“ nach Hans Fallada (2. INTHEGA-Preis 2015).

Buergi, Stephan_c_Urban RuthStephan Bürgi
Der Schauspieler absolvierte die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ und studierte in Mailand die Commedia dell’Arte. Er debütierte am Hans Otto Theater Potsdam in Shakespeares „Was ihr wollt“. Es folgte ein Festengagement am Theater Altenburg/Gera sowie Gastrollen am Schauspiel Essen und am Hechtplatztheater Zürich. Er war u. a. der Titelheld in Peter Shaffers Stück „Amadeus“ an den Berliner Kammerspielen, Biff in Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ an der Comödie Dresden, Mortimer in „Arsen & Spitzenhäubchen“ in Winterthur sowie Arlecchino am Teatro Olympico Vincenza. Von 2002-2007 begeisterte er in „Ladies Night“ am Theater Wechselbad Dresden als Norman sowie als Faust in „Faust – Die Rockoper“, und 2005-2006 stand er als Udo im eigenen Schlagerprogramm „Udo & Jürgen – Ein Sehnsuchtsabend“ am Kleinen Theater in Berlin auf der Bühne. Das Tourneepublikum kennt den Schweizer u. a. von Gastspielreisen mit „Das Fußballwunder von Bern“ und „Mann über Bord – Eine musikalische Midlife Krise“ bei der Konzertdirektion Landgraf. 2015 wechselte er zum großen Musical nach Hamburg und trat dort am Stage Theater in „Das Wunder von Bern“ als Sepp Herberger auf. Als Möbius war er 2018 und 2019 an der Seite von Peter Bause in „Die Physiker“ bei Klassik am Meer zu erleben. Am Münchner Werk 7 stand er zudem 2019 in der Europapremiere des Musicals „Die fabelhafte Welt der Amélie“ als Papa Poulain auf der Bühne.
Darüber hinaus wirkte er in diversen deutschen und schweizer TV-Produktionen mit, u. a. „Inga Lingström“ (ZDF), „Der Zürich Krimi“ (ARD) „Der letzte Zeuge“ (ZDF), „Notruf Hafenkante“ (ZDF), „Der Bestatter“ (SRF), „Mörderische Jagd“ (ZDF) sowie „Familie Dr. Kleist“ (ARD). Aktuell ist er in der Serie „Nr. 47“ im Schweizer Fernsehen zu sehen. Bei den Tell-Freilichtspielen Interlaken inszenierte er 2000 den „Wilhelm Tell“ als Freichlichterlebnis mit 150 Beteiligten, und seine Inszenierungen von „Romeo muss leben“ (sehr frei nach Shakespeare) sowie „Krankheit der Jugend“ von Bruckner mit dem Jugendtheater Gera waren 1998 bzw. 1999 zum Theatertreffen der Jugend in Berlin eingeladen. „Romeo muss leben“ erhielt darüber hinaus den Preis als Beste Inszenierung beim Greizer Theaterherbst 1998. Stephan Bürgi unterrichtet an mehreren deutschen Schauspielschulen und ist seit über 35 Jahren in der Kinder- und Jugendarbeit tätig.

Steiner-Tomic, Regula_1_c_Janine GuldenerRegula Steiner-Tomic
Die Schweizerin absolvierte ihre Schauspielausbildung in Bern und bei Jaques Lecoq in Paris. Es folgten Engagements u. a. am Reutlinger Theater in der Tonne, am Nationaltheater Mannheim, bei den Städtischen Bühnen Essen, am Staatstheater Stuttgart, am Hessischen Landestheater Marburg. Am Stadttheater Gießen spielte sie von 1981-1988 u. a. Sally Bowles in „Cabaret“, Dorine in „Tartuffe“, Charis in „Amphitryon“ und Lucile in Büchners „Dantons Tod“. Von 1990 bis 2011 war sie am Anhaltischen Theater in Dessau engagiert, wo sie in vielen Rollen auf der Bühne stand, darunter Ines in Sartres „Geschlossene Gesellschaft“, Puck in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, Erna in „Präsidentinnen“ von Werner Schwab, Marthe Schwertlein in Goethes „Faust“ und Celia Peachum in der „Dreigroschenoper“. In Berlin war sie u. a. bereits am Maxim Gorki Theater und an der Schaubühne zu sehen. Darüber hinaus arbeitet sie für Film und Fernsehen in der Schweiz, Deutschland und in Bosnien-Herzegowina.
Als Mitbegründerin der freien Theatergruppe Kurtheater Bitterfeld e.V. führt sie außerdem seit 1993 selbst Regie und entwickelt eigene Stücke, u. a. die Kurt-Weill-Performance „Ick sitz‘ in D und esse Klops“, „My Ship oder Abschied von Europa“ eine Koproduktion mit dem Anhaltischen Theater Dessau über das Schicksal europäischer Auswanderer, „Post. Fremd. Hier.“ über das Fremdsein in einer globalisierten Welt und „Parlament der Fische“, ein internationales Umwelt-Theater-Projekt über den Plastikmüll in den Weltmeeren.


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