Endlose Aussicht (c) Thomas Müller

Endlose Aussicht

Uraufführungsproduktion
KUNSTFEST WEIMAR
(Künstlerische Leitung: Rolf C. Hemke)
Endlose Aussicht 
Schauspiel von Theresia Walser
Rowohlt Theaterverlag, Hamburg

Mit Judith Rosmair

Regie: Judith Rosmair & Theresia Walser
Dramaturgische Begleitung: Rolf C. Hemke u. Marlies Kink
Video: Theo Eshetu
1 Darstellerin

Der Zeitraum wird noch bekannt gegeben
Einzeltermine während der ganzen Spielzeit möglich


INHALT 

Ferien auf dem Seuchenkreutzer
Es war ein Geschenk ihrer Geschwister, zehn Tage Kreuzfahrt durch die Karibik. Jona sollte einmal so richtig ausspannen, sich von der Pflege des kranken Vaters und dem Job in der Heimat erholen. Eigentlich ist die Reise längst vorbei, aber sie ist immer noch auf dem Schiff. Eine Seuche ist ausgebrochen, nirgends dürfen sie anlegen, und so treiben sie ohne Ziel auf dem Meer. Seit wie vielen Tagen genau, ob es Morgen ist oder Abend, was macht das schon für einen Unterschied, die Zukunft ist ungewiss. Immerhin hat sie eine Einzelkabine mit Fernsehempfang und darf 30 Minuten am Tag an die frische Luft aufs Deck. Mit ihrem Smartphone versendet Jona Nachrichten, Lebenszeichen, Berichte vom Seuchenkreutzer. Ihr Monolog kennt viele Stimmen: Sie redet nicht nur mit sich, sie redet mit allen, die nicht mehr um sie sind. Längst ist sie Teil einer Kreuzfahrtgesellschaft, die sich an die monströse Normalität gewöhnt hat. Zum Glück ist auch das Glück eine Erfindung!


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PRESSESTIMMEN

Ein gelungenes Stück
Was die Besucher fesselt, ist die Angst, die jeder mit sich herumträgt, aber verdrängt. „Endlose Aussicht“ ist mehr als ein Corona-Stück, auch wenn es während des ersten Lockdowns in Rosmairs Wohnzimmer entstand und unter Pandemiebedingungen in einem Autokino uraufgeführt wurde. Der Stillstand ermöglicht Nahaufnahmen von uns selbst. In der Isolation kommen wir uns nah.
GÜTERSLOH (wh), Die Glocke, 13.09.2021

(…) viel Applaus und Bravorufe
Theresia Walser Sprache fängt überaus präzise und anschaulich Jonas Gedanken ein: Und Judith Rosmair äußert sie mit unglaublicher Aussagekraft.
Die Schauspielerin eröffnet mit ihrer variationsfähigen Stimme und mit der bildhaften Körpersprache den Blick in ihr unentrinnbares Gefängnis und zugleich in ihr Inneres, das so viel Aufschluss gibt über dieses Leben, in dem das Gewohnte, das „Normale“, allmählich entgleitet.
VILLINGEN-SCHWENNINGEN garai, Südwest-Presse, 16.07.2021

Eine unverbesserlich nonchalante Optimistin, die ihre Alltagsreflexionen in Bademantel und Kopfhandtuch pointiert in Szene zu setzen weiß: maximaler Ausdruck mit minimalen Mitteln ohne Requisiten und doppelten Boden. Egal, ob der eigene Jobverlust, die Beinamputation ihres Vaters, ihre Rolle als unstetes schwarzes Schaf in der Familie oder die Marotten der Schiffsbewohner, die Unklarheit der Situation, die ersten Fälle von häuslicher Gewalt oder von Schiffsverschwörungen, nichts kann sie äußerlich erschüttern, und schon bald hat Rosmair das Publikum fest in der Hand.
Torben Ibs, in: Theater heute 10/2020, S. 19.

In diesem Sinne bewegt sich Rosmair stets auf des Textes Höhe. Leicht hysterisch, fast schon panisch, immer unruhig bei „so viel Ruhe“, macht sie ein großes Vergnügen daraus.
WEIMAR Michael Helbing, Thüringer Allgemeine, 06.09.2020


BIOGRAFIEN

Theresia Walser © Susanne JeffsTheresia Walser
Die 1967 in Friedrichshafen geborene jüngste Tochter des bekannten Schriftstellers Martin Walser gehörte nach ihrer Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Bern zwei Jahre lang zum Ensemble am Jungen Theater Göttingen. 1997 wurden ihre ersten beiden Stücke uraufgeführt: „Das Restpaar“ in Stuttgart und „Kleine Zweifel“ an den Münchner Kammerspielen. Über Nacht berühmt wurde Theresia Walser dann 1998 nach der Uraufführung ihres Stücks „King Kongs Töchter“ am Zürcher Theater am Neumarkt. 1998 wählte sie die Kritikerauswahl der Zeitschrift Theaterheute zur besten Nachwuchsautorin, 1999 sogar zur Autorin des Jahres. Weitere Preise und Auszeichnungen folgten, u. a. 1998 die Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises des Landes Baden-Württemberg, 1999 der Übersetzungspreis des Goethe-Instituts und 1999 sowie 2001 jeweils der Stücke-Förderpreis des Goethe-Instituts. 2006 erhielt sie ein Stipendium der BHF-Bank-Stiftung für die Frankfurter Positionen. Ein guter Gradmesser dafür, ob man es als Dramatiker*in geschafft hat, ist sicher die Einladung zu den jährlich stattfindenden Mülheimer Theatertagen. Hier sucht eine Jury aus Theaterfachleuten aus den neuen Stücken der Saison die sieben besten aus. Bislang vier Mal hatte Theresia Walser schon die Ehre, für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert zu sein: 1999 für „King Kongs Töchter“, 2001 für „So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr“, 2005 für „Die Kriegsberichterstatterin“ und 2008 für „Morgen in Katar“. Vor „Endlose Aussicht“ (UA 2020 im Rahmen des Kunstfests Weimar) wurden zuletzt Theresia Walsers Stücke „Nach der Ruhe vor dem Sturm“ (UA 2018 am Nationaltheater Mannheim) und „Die Empörten“ (UA 2019, Salzburger Festspiele in Koproduktion mit Staatstheater Stutttgart) unter der Regie von Burkhard C. Kosminski uraufgeführt. Im Programm der Konzertdirektion Landgraf lief die EURO-STUDIO-Produktion ihres Stücks „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ 2014-2017 u. a. mit Doris Kunstmann, Saskia Valencia und Reinhild Solf (Regie: Hans Hollmann) erfolgreich auf Tournee.
Theresia Walser lebt bei Freiburg im Breisgau.

Judith Rosmair (c) Manu TheobaldJudith Rosmair
Ausgezeichnet als Schauspie­lerin des Jahres 2007 in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Theater heute. Rosmair studierte Tanz in NYC und Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Es folgten Engagements am Schauspielhaus Bochum, am Thalia Theater Hamburg und an der Schaubühne Berlin, seit 2012 arbeitet Rosmair frei. Sie war Protagonistin in Arbeiten von zahlreichen namhaften Regisseur*innen, wie Wajdi Mouawad, Falk Richter, Thomas Ostermeier, Dimiter Gotscheff, Nicolas Stemann, Martin Kušej, Wilfried Minks, Helene Hegemann, Gesine Dankwart, Anouk van Dijk, Jürgen Kruse, Frank Castorf, Jürgen Gosch und Werner Schroeter. Sie arbeitet in den Bereichen Theater, Film, TV, Hörspiel und Oper, wie 2019 als Emmeline in KING ARTHUR in der Inszenierung von Torsten Fischer am Gärtnerplatz München. Seit 2017 spielt sie in „Tous des Oiseaux“ von Wajdi Mouawad am Theatre National Colline in Paris und auf internationalen Festivals. Rosmair war von Juni bis Ende August 2018 Stipendiatin des Goethe Instituts, der Kulturakademie Tarabya in Istanbul. Dort entwickelte sie mit dem DOCUMENTA14-Videokünstler Theo Eshetu den Videofilm „Europa“. Sie schreibt und produziert eigene Performances, wie ihr bei Presse und Publikum gefeiertes Theaterstück „Curtain Call!“ mit dem Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern. Beim Kunstfest Weimar 2020 inszenierte und spielte sie die Uraufführung „Endlose Aussicht“ von Theresia Walser, eine weitere Zusammenarbeit mit Eshetu, der auch an Rosmairs Virtual-Reality-Theater-Projekt „Bye Bye Bühne“ beteiligt ist, das beim Kunstfest Weimar 2021 uraufgeführt wird. Am Renaissance Theater war sie 2020 als Fräulein Julie in der Regie von Torsten Fischer zu sehen. Judith Rosmair arbeitet international und lebt in Berlin.