TYLL (c) Fantitsch

Tyll

Ernst Deutsch Theater, Hamburg
Tyll 
Schauspiel von Daniel Kehlmann
Bühnenfassung von Erik Schäffler
Rowohlt Theaterverlag, Hamburg

Mit Sven Walser als alter TYLL,
Oliver Hermann, Axel Pätz,
Mignon Remé, Ines Nieri, Frank Jordan,
Rune Jürgensen, Maximilian von Mühlen

Regie: Erik Schäffler
Bühnenbild: Timo von Kriegstein
Kostüme, Masken: Sylvia Wanke
Video: Sylvia Wanke, Manuel Schulte
Musik, Sounds: Marcus Voigt
ca. 8 Schauspieler*innen spielen die über 40 Rollen

ca. 25. Februar – 25. März 2023


INHALT

Daniel Kehlmanns von der Kritik hymnisch gefeiertes Meisterwerk über eine legendäre historische Figur und eine aus den Fugen geratene Welt auf der Bühne!

Tyll Ulenspiegel – Vagant, Schausteller und Provokateur – wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts als einfacher Müllerssohn geboren. Sein Vater, ein heimlicher Magier und Welterforscher, gerät mit der Kirche in Konflikt. Tyll flieht in Begleitung der Bäckerstochter Nele. Auf ihren Wegen durch das von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verheerte Land werden sie Zeugen blutiger Schlachten, erleben Hunger, Armut und religiösen Fanatismus, treffen auf Könige und Königinnen, Mönche und Bauern, Schriftsteller und Drachenforscher. Eines Tages beschließt Tyll, der rätselhafte Gaukler, niemals zu sterben …

„Tyll“ zeichnet die Epoche als barockes Welttheater, als ein kriegerisches Zeitalter, das im kollektiven Bewusstsein als große Menschheitskatastrophe fest verankert ist. Die Schelmenfigur Tyll, die der Überlieferung nach eigentlich gar nicht ins 17. Jahrhundert gehört, wird zum Beobachter und Katalysator der Geschehnisse. Kehlmanns schillerndes Sittengemälde wirft ein Schlaglicht auf unsere Gegenwart. Der Bestsellerautor von „Die Vermessung der Welt“ u. a. zeigt, wie dünn die Decke unserer Zivilisation ist und wie schnell das Morden zur Gewohnheit werden kann. Die enorme Bühnenwirksamkeit des Stoffes hat Regisseur Erik Schäffler mithilfe der dialogisch geschriebenen Romanpassagen brillant herausgearbeitet. Kehlmanns bildgewaltige Sprache findet sich auch in den erzählenden Liedern eines Bänkelsängers wieder. Masken- und Puppenspiel ergänzen das überaus sehenswerte Spektakel.

DANIEL KEHLMANN über die Aktualität seines Romans
Die Welt hat sich, während ich an diesem Buch gearbeitet habe, so verändert (…): Syrien zerfällt nach wie vor, wir haben irrationale Kräfte, die überall nach der Macht greifen, die Aufklärung ist im Augenblick, als politische Macht zumindest, sehr im Rückzug begriffen, und die Religionskriege – etwas, von dem wir wirklich dachten, dass es überwunden ist –, das sieht im Moment weniger überwunden aus denn je. Ich würde sagen, der Roman ist heute gegenwärtiger als er es (…) gewesen wäre, als ich das erste Kapitel geschrieben habe. Und ich sage das nicht erfreut, ich wünschte, es wäre anders.
Zitiert nach Günter Kaindlstorfer, „Der Anarchist mit der Schellenkappe“, deutschlandfunk.de, 21.11.2017


TYLL (c) Fantitsch TYLL (c) Fantitsch TYLL (c) Fantitsch TYLL (c) Fantitsch TYLL (c) Fantitsch TYLL (c) Fantitsch TYLL (c) Fantitsch TYLL (c) Fantitsch TYLL (c) Fantitsch


PRESSESTIMMEN

Feier der Theaterkunst
HAMBURG Jens Fischer, taz. Die Tageszeitung, 4.9.2020

Flottes Historienspektakel
Das fühlt sich gut an, zumal Schäffler und seinen acht Schauspielern, die in rund 40 verschiedenen Rollen brillieren, das Kunststück glückt, Kehlmanns Bestseller in einen rasanten Bühnenmärchenzauber zu verwandeln, dem es trotz der düsteren Umstände des Stationendramas nicht an Witz fehlt. (…) [Ein] exzellent besetztes Historienspektakel mit Musik, Tanz, Possen und Puppenspiel.
HAMBURG Sören Ingwersen, Szene Hamburg, September 2020

Erik Schäffler (…) erzählt hier in kurzen Szenen voll Witz, verblüffender Einfälle und viel buntem Lichteinsatz von dieser deutschen ‚Urkatastrophe‘. Acht Schauspielerinnen und Schauspieler verkörpern (…) 38 Rollen, eine spielerische und logistische Meisterleistung!
HAMBURG (ch), Hamburger Wochenblatt, 26.8.2020

Saftige, pralle, herzerquickend starke Schauspielkunst
Bei Schäffler gibt es gleich zwei Tylls. Einen jungen (Rune Jürgensen) und einen alten (Sven Walser). Beide ganz großartig und unerhört präsent, der eine als hochfahrender Luftikus, der andere als weiser Zyniker mit Narrenkappe. (…)
In Kehlmanns Roman wird viel gestorben. Auf der Bühne des EDT aber tobt das Leben. Endlich wieder Theater!
HAMBURG Isabelle Hofmann, www.kultur-port.de, 25.8.2020

Überbordend und spielfreudig
Es ist ein tolles achtköpfiges Ensemble, das sich hier durch 40 Rollen und allerlei Abenteuer spielt.
HAMBURG Annette Stiekele, Hamburger Abendblatt, 22.-23.8.2020

Das berührend-humorvolle Volkstheater-Spektakel steht für den geglückten Start in die neue Spielzeit
Die großartige Truppe – acht Darstellerinnen und Darsteller in rund 40 Rollen – wächst im Ensemblespiel unter Corona-Bedingungen schlicht über sich hinaus.
Ein märchenhaft-fantasievolles Theatererlebnis, das von den (…) Zuschauern mit großem Applaus gefeiert wurde.
HAMBURG Brigitte Scholz, Hamburger Morgenpost, 22./23.8.2020

Über Kehlmanns Roman
Ein Roman, der in eine Zeit zurückgeht, in der sich die Fraktionen des Christentums unerbittlich bekämpften, wirft zweifellos Schlaglichter auf unsere von neuen Religionskriegen heimgesuchte Gegenwart. (…) Religion, die Krieg führt oder den Mächtigen die Vorwände dazu liefert, hat das Recht auf pietätvolle Schonung verwirkt. »Über Glauben muss gelacht werden können«, hat Kehlmann in einem Essay geschrieben. Und sei es das Lachen schwarzer Komik wie in „Tyll“. Komik und Einfühlung – eigentlich Gegensätze – verbinden sich in diesem Roman zur Stärke eines großen Werks.
Wolfgang Schneider, deutschlandfunk.de, 19.11.2017


BIOGRAFIEN

Daniel Kehlmann (c) Billy & HellsDer Autor DANIEL KEHLMANN
Daniel Kehlmann wurde 1975 als Sohn der Schauspielerin Dagmar Mettler und des Regisseurs Michael Kehlmann in München geboren. Beim EURO-STUDIO Landgraf lief Michael Kehlmanns eindrucksvolle, in der Charakterisierung des Sultans Saladin (als gefährlicher, angsteinflößender Herrscher) zukunftsweisende Inszenierung von Lessings „Nathan der Weise“ mit Attila Hörbiger in der Titelrolle sowie das Schauspiel „Komm wieder, kleine Sheba!“ des Pulitzerpreisträgers William Inge mit u. a. Inge Meysel, Siegfried Lowitz. Daniel Kehlmanns Großvater ist der expressionistische Schriftsteller Eduard Kehlmann. 1981 zog Daniel mit seiner Familie nach Wien, wo er nach dem Abitur auf einer Jesuitenschule an der Universität Wien Philosophie und Germanistik studierte. 1997 erschien sein Debütroman „Beerholms Vorstellung“, die fiktive Lebensgeschichte des Magiers Arthur Beerholm auf der Suche nach einer höheren, magischen Existenz. Für dieses Erstlingswerk erhielt Kehlmann den Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Da war er gerade 22 Jahre alt. Der erste Roman, mit dem er überregional Aufsehen erregte, war „Ich und Kaminski“ (2003). „Die Vermessung der Welt“ (2005) sein bisher in 40 Sprachen übersetzter, über zwei Millionen Mal verkaufter Bestseller-Roman zählt zu den spektakulärsten Werken der deutschen Nachkriegsliteratur. Zu Publikumsmagneten wurden auch Kehlmanns hoch gelobte Poetik-Vorlesungen (z. B. über Tolkien, Ingeborg Bachmann, Shakespeare, Karl Kraus, Buchner), die er u. a. in Mainz, Wiesbaden, Frankfurt, Göttingen hielt. 2012 war er Gastprofessor am German Department der University of New York. Er war Fellow am Cullmann Center for Writers and Scholars der New York Library. Kehlmanns Rezensionen und Essays erschienen und erscheinen in vielen Magazinen und Zeitungen u. a. in Der Spiegel, The Guardian, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung sowie in den (Gegenwarts-) Literaturzeitschriften Volltext und Literaturen. Kehlmann lebt als freier Schriftsteller in Berlin und New York, ist mit einer spanischen Diplomatin verheiratet und hat einen Sohn.

Sven Walser (c) Oliver FantitschSven Walser Tyll
Der Schauspieler, der bereits mit Regielegenden wie Klaus Michael Grüber (in Nabokovs „Der Pol“), Luc Bondy und Andrea Breth (in Kleists „Familie Schroffenstein“ und Gorkis „Nachtasyl“) zusammenarbeitete, ist dem breiten Publikum durch zahlreiche Theater- und TV-Engagements bekannt. Besonders mit seiner Rolle als Stallknecht Kuno in der erfolgreichen TV-Serie „Neues aus Büttenwarder“ machte sich Sven Walser ab 1997 einen Namen. Walser absolvierte sein Schauspielstudium in Hamburg. Engagements führten ihn u. a. an das Schauspiel Köln, an die Staatstheater Braunschweig und Hannover, ans Nationaltheater Mannheim, Stadttheater Darmstadt, das Schauspielhaus Bochum und an die Münchner Kammerspiele. Er war festes Ensemblemitglied des Schauspielhauses Düsseldorf. In seiner Wahlheimat Berlin gastierte er u. a. am Deutschen Theater, Maxim Gorki Theater, Hebbel am Ufer (HAU) und dem Schillertheater. An der Schaubühne am Lehniner Platz war er sowohl fest engagiert (1992–1995) als auch als freischaffender Schauspieler tätig (bis 1998). Im Laufe seiner Theaterkarriere hat sich Sven Walser ein umfangreiches Repertoire aufgebaut und die Bandbreite seines Könnens mit Rollen wie Marc in Rezas »Kunst«, Harpagon in Molières „Der Geizige“ und Aegisth in „Eine Orestie“ unter Beweis gestellt. Er spielte in Shakespeares „Othello“, „Hamlet“, „Der Kaufmann von Venedig“ und „Ein Sommernachtstraum“, in Goldonis „Diener zweier Herren“, in Schillers „Der Parasit“ und „Die Räuber“, in Sophokles‘ „Ödipus“, Klaus Manns „Mephisto“, Kafkas „Der Prozess“ sowie in Ödön von Horváths „Der jüngste Tag“.
2019 spielte er Willy Brandt in Michael Frayns „Demokratie“ am Ernst Deutsch Theater Hamburg. Walser gastierte am Burgtheater Wien, am Schauspielhaus Zürich und am Luzerner Theater. In der Spielzeit 2022/2023 ist Sven Walser in John T. Binkleys modernem Märchen „Präsidenten- Suite“ in der Regie von Guntbert Warns mit dem Tournee-Theater Thespiskarren auf Gastspielreise. Der wandelbare Schauspieler steht auch für TV und Kino regelmäßig vor der Kamera: So war Sven Walser in Serien wie „Tatort“, „Großstadtrevier“, „Alarm für Cobra 11“, „Küstenwache“ und Spielfilmen wie „Morden im Norden“ (2017), Heinrichs Breloers „Speer und Er“ (2005), Peter Keglevics „2 Tage Hoffnung“ (2003) zu sehen und spielte in Kinofilmen wie „Russendisko“ (2011, Regie: Oliver Schmitz), „Fly“ (2019, Regie: Katja von Garnier), „Rendezvous“ (2005, Regie: Alexander Schüler) und „Wie die Karnickel“ (2002, Regie: Sven Unterwaldt).

Rune Jürgensen
Rune Jürgensen wurde 1984 in Eckernförde geboren. 2009 absolviert er seine Ausbildung zum Schauspieler am Hamburger Schauspiel-Studio Frese. Seitdem ist er als freiberuflicher Schauspieler an mehreren Theatern und für verschiedenste Projekte der freien Szene, u. a. für Cinema des étoiles und Cobratheater.Cobra tätig. Von 2013 bis 2014 ist er festes Ensemblemitglied der Bremer Shakespeare Company. Außerdem arbeitet er für zahlreiche performative Projekte mit bildenden Künstlern zusammen. Seit 2011 ist er immer wieder am Ernst Deutsch Theater zu sehen, u. a. in „Der kleine Vampir“ (2011 bis 2019), „Der gute Mensch von Sezuan“ (2018), „Weißer Raum“ (2019), „Pension Schöller“ (2019) und „Dinge, die ich sicher weiß“ (2020). In der Spielzeit 2022/2023 ist er damit auf Tournee.

Axel Pätz (c) Alex LippAxel Pätz
Axel Pätz wurde 1956 geboren und tourt seit mehreren Jahren als Musikkabarettist mit eigenen Liedern und satirischen Texten durch den deutschsprachigen Raum. Er avancierte zum Shooting-Star der deutschen Kabarett-Szene und wurde mit Kabarett- und Kleinkunstpreisen überhäuft. Als erfahrener Vater und Weltkenner ist Axel Pätz den kleinen und großen Absurditäten des täglichen Lebens auf der Spur. Mit seinen Soloprogrammen bespielt er u. a. die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, das Kom(m)ödchen in Düsseldorf, Die Wühlmäuse in Berlin oder Alma Hoppes Lustspielhaus in Hamburg. Im Fernsehen ist er u. a. zu Gast im WDR bei „Mitternachtsspitzen“, beim BR in „Schlachthof “, beim SR bei „Alfons und Gäste“ und bei „Nuhr“ in der ARD. Regelmäßig ist er im Theaterschiff Hamburg zu erleben.

Mignon Reme (c) Lilli ThalgottMignon Remé
Mignon Remé ist in Hamburg geboren. Nach der Schauspielausbildung in Hamburg und New York spielt sie u. a. in „Der Hamburger Jedermann“ und in „Sonyboys“ beim steirischen Herbst in Graz. Sie ist Gründungsmitglied der Improvisationstheatergruppe hidden shakespeare, mit welcher sie regelmäßig in Hamburg sowie auf internationalen Festivals auftritt. Sie produziert preisgekrönte Filme mit der Produktionsfirma HIDDEN HITCHCOCK, in denen sie auch selber spielt („Ein Endspiel“, 2015 und „Heiligabend mit Hase“, 2012). Sie wirkt in den Axensprung Theaterproduktionen „Revolution!?“ und „Gier“ in Hamburg mit und inszeniert und spielt am Theater Combinale in Lübeck. Des Weiteren ist sie regelmäßig in TV- und Filmproduktionen zu sehen.