Schlagwortarchiv: Nachruf

In memoriam Gunther Beth

Nur wenige Tage nach dem Tod unseres Freundes Rainer Witzenbacher erreichte uns die nächste traurige Nachricht: Unser langjähriger Freund, Autor, Schauspieler und Regisseur Gunther Beth (18. Oktober 1945 – 14. August 2026) ist gestorben. Birgit und Joachim Landgraf kannten Gunther seit der Tournee mit dem Stück „Die Party“, in der er gemeinsam mit Gustav Knuth auf der Bühne stand. Birgit begleitete damals die Produktion auf Tournee. Aus dieser ersten gemeinsamen Theaterzeit entwickelte sich eine Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit, die über Jahrzehnte Bestand hatte.

Er wurde zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten Autoren unseres Tourneetheaters. Das erste Stück von ihm, das wir spielten, war „Meine Mutter tut das nicht“, das er gemeinsam mit Folker Bohnet geschrieben hatte. Wie kaum ein anderer Autor prägte Gunther Beth über Jahrzehnte das Repertoire und das künstlerische Profil des THESPISKARREN. Seine Komödien wurden zu einer tragenden Säule unseres Spielplans.

Nahezu sein gesamtes Bühnenwerk brachten wir mit dem THESPISKARREN auf Tournee: „Meine Mutter tut das nicht“, „Der Neurosenkavalier“ in den Jahren 1972 und 1973, „Micky Maus und Einstein“, „Trau keinem über 60!“, „Wer den Löwen weckt“, „Ich wär so gern wie du“, „Man liebt nur dreimal oder Die Katze“, „Willkommen im Club“, „Die Nummer des Jahres“, „Das Kostüm“ und „Bitte nicht stören!“ mit Volker Bohnet und Karl Heinz Schroth in der Spielzeit 1976/1977. Zahlreiche Produktionen wurden aufgrund ihres Erfolges über mehrere Spielzeiten wiederaufgenommen. Die Tourneen seiner Stücke lagen über viele Jahre ausschließlich in unseren Händen und erreichten ein großes Publikum in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit „Der Neurosenkavalier“, den er gemeinsam mit Alan Cooper schrieb, gelang Gunther Beth einer der größten deutschsprachigen Boulevarderfolge der vergangenen Jahrzehnte. Allein auf den Tourneen des THESPISKARREN erreichte das Stück, zusammen mit „Trau keinem über 60!“ mehr als 400 Vorstellungen. Aufgrund des großen Erfolges wurde die Produktion über mehrere Spielzeiten immer wieder aufgenommen. International wurde „Der Neurosenkavalier“ in zahlreichen Ländern und Tausenden von Vorstellungen gespielt.

Gunther Beth (1945 - 2026)Gunther war jedoch nicht nur unser Autor. Er gehörte auch als Schauspieler über Jahrzehnte zum THESPISKARREN. In weit mehr als 1.000 Vorstellungen stand er für uns auf der Bühne – immer wieder gemeinsam mit Claus Biederstaedt und Karin Dor. Die drei verband nicht nur große schauspielerische Erfahrung, sondern auch ein genaues Gespür für das Boulevardtheater und sein Publikum.
Ihre Zusammenarbeit beschränkte sich keineswegs auf unsere Tourneen. Gunther Beth spielte mit Claus Biederstaedt und Karin Dor auch an bedeutenden Boulevardbühnen in Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf und Köln. Er kannte damit beide Seiten des Theaterbetriebs: die großen städtischen Privattheater ebenso wie das Leben einer Wanderbühne mit ihren langen Reisen, den täglich wechselnden Häusern und dem unmittelbaren Kontakt zum Publikum.

Gerade deshalb schrieb Gunther nicht aus der Distanz eines Autors. Er wusste, was Schauspieler brauchen, wie eine Pointe getragen werden muss und wann hinter dem Lachen ein ernster menschlicher Augenblick sichtbar werden darf. Häufig spielte er selbst in seinen Stücken oder führte Regie. Er schrieb Rollen für konkrete Schauspielerinnen und Schauspieler, deren besondere Fähigkeiten er genau kannte. Darin lag die Lebendigkeit seiner Komödien: Seine Figuren waren keine Konstruktionen, sondern Menschen, die er bereits auf der Bühne vor sich sah. Viele seiner Stücke entstanden gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin und Autorin Barbara Capell. Unser tiefes Mitgefühl gilt ihr und seiner Familie.

Die Verbindung zwischen Gunther Beth und dem THESPISKARREN war weit mehr als eine geschäftliche Zusammenarbeit zwischen einem Autor und einem Theaterunternehmen. Gunther war ein Freund, auf dessen Erfahrung, Loyalität und Humor wir uns verlassen konnten. Seine Stücke und seine Auftritte haben einen wesentlichen Teil unserer Theatergeschichte geprägt. Wir nehmen Abschied von einem Freund und einem wirklichen Mann des Theaters. Seine Stücke werden weitergespielt werden – aber Gunther wird uns fehlen.

Birgit und Joachim Landgraf , Michael Abeln sowie alle Mitarbeiter des THESPISKARREN und der Konzertdirektion Landgraf